Erfahrungsberichte

Hier kannst du ein bisschen stöbern und nachlesen, was Teilnehmer_innen des ersten peacelab Jahrgangs über ihre Erfahrungen während des Projektes erzählen und berichten, was für sie peacelab bedeutet, was sie bewegt und beschäftigt…


 

Alex und peacelab…

Ich war selbst Teilnehmer des letzten Jahrgangs und mir hat es sehr viel gebracht. Für mich konnte der „reguläre Weg“, wie Studium oder Ausbildung nicht viel bieten außer Frustration und Hoffnungslosigkeit. Als junger erwachender Mensch fühlte ich mich verloren in all diesen Systemen und Strukturen, all diesen Müssen, Solls und Erwartungen. Da kam dieses Jahr im Lebensgarten-Steyerberg genau richtig für mich. Ich konnte so viele Muster und Einschränkungen denen Ich / Wir unterliegen erkennen und lösen, durfte einfach mal sein, mir und anderen in Liebe begegnen, und erkennen wie wichtig meine Gefühle und Bedürfnisse sind. Und durfte erfahren, dass ich nicht alleine mit meinem Wunsch für ein anderes Miteinader, für einen Paradigmenwechsel bin. Ich bin mir sicher, dass es noch viel mehr junge Menschen wie mich gibt, für die so ein Jahr viel bewirken könnte, aber nur nicht wissen, dass es so eine Möglichkeit gibt.

Robin und peacelab…

Peacelab ist kein gewöhnliches Projekt. Es ist ein Projekt, das aus sich selbst heraus lebt, in dem wir bestimmt haben, wo wir damit hinwollten und was wir leben wollten. Bei uns war es oft ein Schauen, was wir gerade in diesem Moment wollen und wie wir das erreichen können. Aus meiner Sicht haben wir einiges von dem, was wir wollten, nicht erreicht, jedoch war das Wollen und Versuchen als Gruppe wesentlich heilender für mich als das Erreichen. Es war beim Nicht-erreichen ein Merken: „Es ist alles gut so, wie es ist. Ich muss nichts schaffen, um glücklich zu sein und Freunde zu haben und mein Leben genießen zu können. Es ist alles da und alles ist gut.“ Gleichzeitig war unendlich viel Freiheit zu finden in Peacelab, vorausgesetzt, du bist bereit, sie in dir aufzunehmen. Es gab keine Regeln, wie etwas zu sein hat sondern die Regeln waren Absprachen, wie es für uns alle am angenehmsten ist und die Regeln konnten und wurden das ein oder andere Mal geändert. Am Ende meiner Zeit im Lebensgarten kann ich sagen, es war eine schöne Zeit und absolut wert sie zu leben. Peacelab ist ein Projekt wo Menschen auf jeden Fall mitmachen sollen. Glaub mir, ich mag Kekse.

Lara und peacelab…

Für mich ist Peacelab einfach sein zu können. Nie habe ich mich so wenig angestrengt, jemand zu sein und doch war ich nie mehr. Und genau so funktioniert das Leben. Der Weg zu mir, in meine Mitte, ist zugleich der Weg in die Welt. Das habe ich jetzt verstanden. Ich liebe den Lebensgarten und die Menschen, die ich hier kennenlernen darf. Peacelab bedeutet für mich Zuhause, Vertrauen, Freiheit und Zukunft. Ich glaube, es tut unserer Erde gut, wenn auf ihr mehr und mehr Menschen leben, die, so wie wir acht TeilnehmerInnen es dieses Jahr getan haben, so viele glückliche, friedliche, ehrliche und echte Momente erleben und die Erinnerung daran in sich tragen. Das ist wie Feenstaub, dessen Schimmer sie überall hin begleitet und auch alles um sie herum schimmern lässt. Denn nichts anderes bedeutet Frieden für mich. Wenn ich ein glückliches, erfüllendes Zusammenleben mit meinem MitbewohnerInnen wünsche, dann kommuniziere ich gewaltfrei, denn das schafft Nähe und zugleich Eigenverantwortung. Wenn ich allen Lebewesen respektvoll und wertschätzend begegnen will, dann ernähre ich mich vegan und trinke fair gehandelten Kaffee. Ich glaube, wenn man sich wirklich für den Friedensweg entscheidet, dann passiert all das automatisch, denn es ist logisch. Dennoch braucht es Zeit zu keimen und zu sprießen, und die habe ich mir mit der Entscheidung, peacelab mitzumachen, genommen. Ganz nebenbei habe ich viel über andere Themen, die mich interessieren, gelernt und habe vorallem auch viele neue Gebiete entdeckt, die ich sehr spannend finde und mit denen ich mich jetzt beschäftige. Ich hatte unzählige Inspirationen und Freiräume, meine Lebensvision zu finden. Ich glaube, die Quintessenz aus all dem ist für mich ganz persönlich: „Ich brauche niemand zu werden. Ich BIN schon wer.“ Ja, das habe ich schon etliche Male gehört und es ist so leicht gesagt, aber fühle ich das auch noch, wenn ich den ganzen Samstag im Bett gechillt und rein gar nichts „Sinnvolles“ getan habe? Jetzt, hier und heute, hat mich das Leben genau hierhin geführt, um dieses wundervolle Projekt peacelab, das ja gerade erst das Licht der Welt erblickt hat, mit meiner Energie, Motivation, Kreativität und Erfahrung zu unterstützen. Ich wünsche allen Menschen, dass sie die Möglichkeit bekommen, zu erfahren, wie wundervoll sie sind. Zu erfahren, was Halt in einer Gruppe bedeutet. Zu erfahren, was achtsam leben bedeutet. Zu erfahren, dass das Leben bunt und voller Möglichkeiten ist, die weit über „Schule – Studium/Ausbildung – Beruf – Rente“ hinausreichen. Dass sie die Möglichkeit bekommen, mit der erforderlichen Behutsamkeit ihre Scheuklappen abzunehmen oder vielleicht überhaupt erst zu erkennen, dass sie welche tragen. Mit peacelab habe ich etwas gefunden, zu dem ich hundert Prozent JA sagen kann. Dies ist auch eine der schwierigsten Lektionen, die ich hier gelernt habe (und immernoch dabei bin): Es ist nicht zielführend, Kompromisse zu machen. Wenn niemand Kompromisse macht, sind alle glücklich. Und dann ist die Welt perfekt. Und wenn es dann auf einmal niemanden mehr gibt, der kompromissfrei in seinem/ihrem Bürojob arbeiten kann, dann ist es an der Zeit, die Bürokratie abzuschaffen. Das funktioniert- daran glaube ich.

ein Zwischenbericht über peacelab, geschrieben von den Teilnehmer_innen des ersten Jahrgangs…

PeaceLab- Frieden erforschen, Welten bewegen
Wir stellen uns vor…
Peacelab: 7 junge Menschen zwischen 18 und 30, zwei LernbegleiterInnen, acht unterstützende Paten, ein Jahr und eine gemeinsame Vision: Wir wollen Wege erforschen und gehen, um Frieden zu stiften. Für 12 Monate leben wir gemeinsam in zwei Häusern in der Ökosiedlung „Lebensgarten Steyerberg“. Wir möchten ein Miteinander nah an den Gefühlen und Bedürfnissen des Einzelnen ermöglichen, Gemeinschaft (er)leben und nachhaltig mit Ressourcen umgehen. Im Kleinen wie im Großen wollen wir dazu beitragen, die Welt ein bisschen friedlicher zu gestalten: Indem wir uns vegan ernähren, Seminare für uns und andere junge Menschen aus Niedersachsen organisieren, unser individuelles Potential im Rahmen von Mitarbeitsstellen einbringen und Projekte eigenständig und planen und umsetzen.
Unser Träger ist der Verein „Achtsamkeit und Verständigung e. V.“, ein Verein, der vor 12 Jahren von jungen Menschen in unserem Alter gegründet wurde. Wir haben die Möglichkeit, die bestehenden Ressourcen des Vereins mitzunutzen, in unseren Entscheidungen agieren wir absolut selbstständig.

Kleiner Rückblick
Am 15.9.2013 beginnt das Projekt „PeaceLab“ erstmalig. Mit ein bis drei Umzugskisten, einem Rucksack voll Wagemut und Vertrauen kommen wir in den gänzlich leeren Häusern an, bereit, uns für ein Jahr auf das Projekt und sechs uns unbekannte Menschen einzulassen. Viel Freiraum, und gleichzeitig Herausforderungen, den eigenen Idealen näherzukommen und sie umzusetzen. Nach einer intensiv angeleiteten Einführungswoche wissen wir mehr über uns, den umgebenden Ort und die fünf Mitarbeitsstellen: den Permakulturacker, die freie Schule Mittelweser, die Pferdetherapie mit Heidi Zöller, die Elektroauto CarSharing-Initiative und das Jungunternehmen „Seminarplanet“. Im Laufe der nächsten Wochen unterstützen uns unsere LernbegleiterInnen darin, Wege zu finden, wie wir Zusammenleben und Projektarbeit miteinander vereinen können.
Im Oktober nahmen wir an einem fünftägigem Seminar über die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg teil, in dem wir einiges Handwerkszeug bekamen, um ein ideales Miteinander zu gestalten. im November hatten wir drei Tage die Möglichkeit, mithilfe der Methode „Dragon Dreaming“ unsere Ziele zu formulieren und mit professioneller Unterstützung konkrete Schritte zur Umsetzung herauszuarbeiten. Erste gemeinsame Fundraisingaktionen, in denen wir Kontakt nach Außen suchten, waren ein von uns angebotener Fahrradreparaturtag, außerdem fanden unzählige Volksküchen statt.

Kleiner Einblick
Wir alle leben in dem Bemühen, eine Balance zu finden zwischen unserer Autonomie und der Gemeinschaft, unsere individuellen Ziele nicht aus dem Augen zu verlieren und gleichzeitig davon so viele wie möglich durch die Gemeinschaft zu verwirklichen. Uns darin gegenseitig zu unterstützen ist uns sehr wichtig. Inzwischen haben wir die Möglichkeit, in der Lebensmittel-Distributive hier im Lebensgarten ökologische Lebensmittel einzeln oder im Großgebinde und regionales Obst und Gemüse zu kaufen. Dies kommt unserem Ideal von einer nachhaltigen Lebensweise sehr nahe. Außerdem haben beide Wohnhäuser Gärten, in denen Permakulturaktionen geplant sind. Wir haben wöchentliche Treffen mit festen Oberthemen, in denen es sowohl um Organisatorisches und Projekte als auch gruppeninterne oder individuelle Themen geht. Desweiteren gibt es einen „Gemeinschaftstag“ in der Woche, an dem ein fester Rahmen für Gruppendynamiken und Zeit für intensivere Runden etc. gehalten wird.

Kleiner Ausblick
Lange dauert es nicht mehr, bis die erste peacelab-Generation ihren Weg weitergeht und andere Menschen den Projektcharakter neu prägen. Bis dahin werden wir an einem letzten Seminar teilnehmen: Yoga in verschiedenen Facetten, über ein ganzes Wochenende. Und die Planungen für den nächsten Jahrgang erreichen den Endspurt…

Fazit
PeaceLab ist kein kaltes Laboratorium, in dem lebensferne Daten erfasst werden, sondern entwickelt sich bunt und flexibel zu einem Netzwerk, das jungen Menschen die Chance bietet, sich in dieser Welt mit ihrem Potential zu integrieren, ihren Beitrag zu leisten und ihren Platz zu finden. Dieses Netzwerk wird über dieses eine Jahr bestehen bleiben und uns Mut & Halt geben, um die Dinge aus vollem Herzen in die Hand zu nehmen. Wir wollen uns gegenseitig inspirieren und voneinander lernen, uns vom Wissen anderer bereichern lassen und das Gelernte in Projekten und Aktionen umsetzen. Wir wollen den Frieden erforschen, um Welten zu bewegen!